An dieser Stelle lasse ich in unregelmäßigen Abständen ein zufällig unzufällig ausgewähltes Jahr Revue passieren – und zwar in Form einer Playlist. Wir starten mit 2007. Ein Jahr der eher ruhigeren Momente, wie die folgende Songauswahl zeigt.
Coldplay – Don’t Panic
Der erste Song meines damals tatsächlich in ähnlicher Reihenfolge aufgenommenen Tapes war auch der Startschuss zu einer Weltkarriere. “Don’t Panic” leitet die “Parachutes”-LP und damit das erste Album der Band überhaupt ein. Wundervoll, auch weil es wundervoll kurz ist. Kann man deshalb sehr oft hintereinander hören, bevor es zum nächsten Song geht. Der da wäre…
Jamie Cullum – London Skies
Irgendwann stolperte ich über “Catching Tales”, das ich für knappe 5 EUR einfach mal mitnahm. Weil ich nicht wirklich wusste, was mich erwartete, lag das Album erstmal zwei Jahre ungehört rum. Als ich dann doch reinhörte, blieb ich bei “London Skies” hängen, einem der unjazzigeren Stücke der LP. Zugleich eine ungewöhnliche Liebeserklärung an London. Hat einen schön melancholischen Touch, und auch das ist eher ungewöhnlich für den “Robbie Williams des Jazz”, wie er in Großbritannien mal getauft wurde.
Maxïmo Park – Books From Boxes
Wieder was aus England, genauer gesagt aus Newcastle. Musik zum Ausrasten. Für schöne, engere, intimere Clubs. Steht ihnen jedenfalls besser als die großen Bühnen, finde ich. Books from Boxes versetzt mich sofort in eine einzigartige Stimmung. So ‘ne Mischung aus Aufbruch und Besonnenheit, aus fortwollen und angekommen sein. Geht auf Partys ganz gut, aber nicht auf dem Höhepunkt. Eher auf dem Weg dorthin.
Feist – I Feel It All
Ich wurde ziemlich schräg angestarrt, als ich den Kram mal öffentlich vorgeführt habe. Ein paar Monate später hatten sie es alle auf ihren iPods – was nicht zuletzt auch an “1234″ lag, dem Song, der 2007 in der iPod Nano-Werbung auftauchte. Jedenfalls ganz eigener Sound, den Leslie Feist da schustert. Es ist kein Rock, kein Folk, kein Pop, kein Punk – vielleicht aber eine Mischung aus all diesen Elementen. Die Vocals sind wahnsinnig eigenständig gemixt, sehr zeitlos. Hoher Wiedererkennungswert, das alles. Grandios.
Nada Surf – Beautiful Beat
Ich habe heute noch einen Tinitus, wenn ich mir das Konzert in Köln vor Ohren halte. Es war wahnsinnig laut. Dabei beherrschen Nada Surf aus New York auch die ruhigeren Töne. Mittlerweile gibt es kaum eine TV-Serie, die sich nicht aus ihrem Fundus bedient hätte, sei es How i met your mother, OC California oder One Tree Hill. Auch deutsche Filmemacher unterlegen melancholische Momente gerne mit dem Sound der dreiköpfigen Band um Frontmann Matthew Caws. Dufter Typ.
Damien Rice – Cannonball
Für mich der unumstrittene König im Singer-/Songerwriterbereich. Aufmerksam auf den Iren geworden bin ich erst Ende 2006 – das hatte immerhin den Vorteil, dass ich mir sofort beide Studioalben holen konnte, da sein zweites gerade erschienen war. Auch groß der Mitschnitt eines Konzertes, das er in der Union Chapel gespielt hat. In GB ist vor kurzem ein zweites Livealbum rausgekommen. Und noch wat ausm Nähkästchen: Meine Lyrics zu “Seelenfrieden” habe ich urspünglich auf “Volcano” geschrieben.
Kate Nash – Mouthwash
Diese britische Aussprache ist total sexy. Kate Nash kommt aus London und macht ganz grob gesagt moderne Singer-/Songwriter-Mucke. Wenn ich mich nicht völlig irre, ist sie eine der Ersten aus der “Ich-kleines-Vöglein-mach’-mir-’nen-MySpace-Account-und-starte-eine-Weltkarriere”-Gilde. Für die Karriere hat sie mit ihren 22 Lenzen noch viel Zeit. Demnächst kommt ihr zweites Album raus.
Snow Patrol – You Could Be Happy
Massenkompatibler kann man melancholischen Sound gar nicht machen als die Briten von Snow Patrol. Seit 1994 sind die schon unterwegs, hauchzarte Aufmerksamkeit hatte Deutschland erst zehn Jahre später für sie übrig (“Run”). Der Durchbruch kam mit “Chasing Cars” im WM-Jahr 2006. Geht beides nicht immer, da einfach sehr schwülstig. Trotzdem grandiose Songs. Punkt.
Incubus – Dig
Eine Granate von Song. Wirklich. Alleine der Text schon. Habe damals oft das Booklet rausgekramt und die Lyrics mitgelesen, weil… ja weil man das manchmal eben so macht. Mehr muss man dazu auch gar nicht sagen. Groß.
Amy Winehouse – You Know I’m No Good
Viele Worte muss man nicht über Amy Wein-, Kokain und Haschisch-Haus verlieren, das lest ihr jeden zweiten Tag in der Zeitung mit den vier Buchstaben. Neeeein, liest natürlich nieeemand von euch, is’ klar. “You Know I’m No Good” beamt mich immer zurück in die 70s, wobei ich gar nicht beurteilen kann, wie es da war. Die Verknüpfung kommt so ein bisschen vom Baader-Meinhof-Komplex, den ich oft zufällig las, wenn ich den Song hörte. Bevor ich aber zu sehr abweiche, weiche ich lieber zum nächsten Song.
Foo Fighters – Miracle
Ein besetztes Gebäude im Jahr 2007. Tiefenentspannt nippel’ ich an irgendeinem alkoholischen Getränk und frage, was da im Hintergrund läuft. Antwort: Foo Fighters. Was? Ahso, die können auch ruhig. Mit Streichern und den ganzen Kram. Die zweite CD von “In Your Honor” ist jedenfalls eine Perle. Mein absoluter Favorit trägt den Titel “Miracle” und hat – Achtung, vielleicht selbst für den Insider zu insidig! – nichts mit meinen Genitalien zu tun.
OneRepublic – Won’t Stop
Streibar, ob man öffentlich zugeben darf, OneRepublic zu hören. Ich darf. Timbaland hat einer Band weltweit zu Ruhm verholfen, die man bitte wirklich nicht (nur) nach “Apologize” beurteilen sollte. Die Amis machen gute, handgemachte und sphärische Softrock-Scheiße, die einen wegbeamen kann – wenn man sich drauf einlässt. Schade, dass das Nachfolgealbum “Waking up” weniger solcher Momente aufzubieten hat. Demnächst werde ich mir anschauen können, was die live so zu bieten haben.
Richard Ashcroft – I Get My Beat
Der Typ hat mit “The Verve” Musikgeschichte geschrieben. Ich muss aber ehrlich sagen, dass mir seine Solosachen mehr liegen. Auf der anderen Seite basieren einige Songs von “Alone with everybody” angeblich auf Demomaterial eines Verve-Albums. Der 6-Minuten-Hammer “I Get My Beat” ist von vorne bis hinten großartig arrangiert.
Alicia Keys – Tell You Something (Nana’s Reprise)
Das Goldkehlchen mit den Goldfingern – zumindest, wenn sie am Piano sitzt. Alicia hat sich musikalisch wirklich krass entwickelt. Während die ersten beiden Alben noch recht roh und hiphoppig daherkamen, hat sie sich vor allem mit “As i Am” wahnsinnig stark in Richtung Weltstar entwickelt. Kaum ein Album ist so perfekt wie jenes, deshalb steht “Tell You Something” eher exemplarisch fürs Gesamtwerk. Besonders gut auch “Lesson Learned”, der John Mayer featured.
Colbie Caillat – Battle
Das nächste MySpace-Sternchen. Caillat macht Singer-/Songwriting-Mucke mit leichten Einschlägen aus Soul, Pop und Folk. Wenn ich nicht irre, hat sie es binnen drei Jahren von einer unbekannten Songwriterin auf MySpace zur mehrfachen Grammy-Gewinnerin gepackt. Schöner Lebenslauf – und ein schönes Gesamtpaket.
A Fine Frenzy – Near To You
“One Cell in the Sea” gehört zu den Alben, die einen regelrecht in einen Wald beamen können. Sehr pianolastiges Zeug, interessante Drumarangements, insgesamt einfach recht sphärisch. Sudol singt hier noch recht zurückhaltend, auf dem noch besseren Nachfolger “Bomb in a Birdcage” explodiert sie regelrecht. Beide Alben einfach nur brutal gut.
Tracy Chapman – 3,000 Miles
Du willst die Seele baumeln lassen? Hör’ Tracy Chapman. Einfach mal in Ruhe über alles nachdenken? Hör’ Tracy Chapman. Du willst eine der weltbesten Singer-/Songwriterinnen hören? Tracy Chapman. Du willst Party machen? Hör’ was anderes.
Robyn – With Every Heartbeat
Ich glaube, ich habe es an einem Tag geschafft, den Song fünfzig Mal zu hören. Und weil er so unglaublich geil ist, würde ich das heute auch noch hinbekommen, obwohl ich nicht mehr ganz so drauf bin wie zu jener Zeit. Verzweiflung in Reinkultur. Deshalb auch zitiert in “Zepter”: “Still I’m dying with every step I take…”
Herbert Grönemeyer – Marie
Hier könnte im Grunde jeder Song von Grönemeyer stehen. So wirklich weiß ich auch gar nicht mehr, warum ich an dem damals so hängengeblieben bin. Bei längerem Nachdenken kam mir zumindest die Idee, dass Marie ein ziemlich netter Name für möglichen Nachwuchs wäre.
Mika – Happy Ending
Mika gehört(e) für mich zu den nervigsten Typen, die so rumlaufen im Tonträgergeschäft. War mir eindeutig zu freaky. Vor allem die Singles nervten. Aber Happy Ending ist groß irgendwie. Eigentlich geht es hier um das Gegenteil eines Happy-Ends, aber Mr. Kopfstimme kriegt es selbst hier hin, etwas Frohsinn reinzubringen. Was man vom wirklich fantastischen Hiddentrack indes nicht mehr sagen kann…
Wir sind Helden – Lass uns verschwinden
Der letzte Song meines Tapes. Drückt ganz gut den Wunsch aus, abzuhauen und die anderen die anderen sein zu lassen. Schließt auch das meiner Meinung nach gelungene Album “Soundso” ab.
Laufzeit: 1:30:27 Stunden
Wie sah euer 2007 aus? Was habt ihr gehört? Kommentiert euch ‘nen Wolf!

