Donato verschenkt Mixtape

Hallo Leute,

in Zusammenarbeit mit DJ s.R. und Kopfhörer Recordings habe ich mir erlaubt, euch zu Weihnachten ein Mixtape zu schenken. Es beinhaltet 52 Tracks aus 8 Jahren Donato mit unveröffentlichten Songs, Raritäten und Songs der offiziellen Releases. Besonderer Clou: Einige Tracks von “Angst” sind in Remixen von Rappern, die ich sehr feiere, ergänzt worden, als da wären Abroo (Antihelden), Pure Doze (Too Strong), Phase (Team Avantgarde), Ryo (Bundesvision Song Contest-Teilnehmer), Sinuhe, Nazz und Later. Darüber hinaus sind auch alte Weggefährten wie Inferno79, Absztrakkt, Pal One, mnemonic und einige weitere zu hören.

Genug gelabert, jetzt wird heruntergeladen, und zwar hier:
DONATO – VON DAMALS WIE HEUTE (MIXED BY DJ s.R.)

An dieser Stelle ein besonderes Dankeschön an DJ s.R., ohne den dieses Projekt niemals das Licht der Welt hätte erblicken können.

Viel Spaß damit und frohe Weihnachten,
Donato

Ein Hamsterrad im Knast, oder: Abschied von Curse

Hallo Leute,

2008 kommt dieses Album raus, auf das so viele Leute sehnsüchtig gewartet hatten. Sie wussten ungefähr, was sie zu erwarten hatten: Gehaltvolle Lyrics, überwiegend soulige Beats von wohlbekannten Producern, ein paar Teile, die nach vorne gehen, und – na klar –, ein Frauending muss auch dabei sein. Und am Ende haben wir ein Album, das sich recht ordentlich verkauft, das von den Bestandskunden gefeiert und von den Stammhatern gehated wird. Ein Zyklus, der sich beliebig wiederholt. Eigentlich immer.

Worum es hier geht? Eigentlich nur um Musik. Aber es geht um mehr: Veröffentlichungspolitik. Strukturen. Erwartungshaltung. Standards. Oder, wie Curse es in seinem Statement schreibt, Hamsterräder. Genau – eigentlich geht es um Curse. Zugegeben, ein bisschen überrascht hat es mich schon, als ich heute las, dass er das Mikrofon an den Nagel hängt. Gewundert hat es mich weniger. Warum?

Du hast einige Alben veröffentlicht und warst überdurchschnittlich erfolgreich damit. Du fragst dich tausende Sachen, die dir beim ersten Album nicht durch den Kopf gehen. Zum Beispiel: Darf ich mir die Freiheit nehmen, ein sechstes Album zu machen, das ganz anders klingt als das fünfte? Darf ich mit anderen Leuten arbeiten? Darf ich die Releasepolitik verändern? Das Label wechseln? Den Distributionsweg? Es selbst produzieren? Singen? Völlig andere Leute aus anderen Genres featuren? Selbst Genres vermischen? Darf ein Song unfertig klingen? Ich behaupte: all das darf es nicht. Und das ist unendlich anstrengend (das war einer der Gründe, warum „Angst“ solange auf sich hat warten lassen.) Um beim Beispiel Curse zu bleiben: Von einigen Spinnern wird er immer noch für das Silbermond-Feature gehated, obwohl der Song als solcher grandios ist.

Oft wird gefordert: Erfinde dich neu, entwickle dich weiter. Mach’ nicht immer denselben Kram. Wäre es aus Künstlersicht sinnvoll, dieser Forderung zu entsprechen? Würdet ihr mir eine dritte LP abkaufen, auf der alles urplötzlich mit Instrumenten eingespielt ist? Auf dem ich vielleicht von einem Orchester begleitet werde? Von einem Chor? Oder, ganz simpel, nur von einer Akustikgitarre? Vielleicht seid ihr tolerant und denkt jetzt: „Klar, kann ich mir richtig gut vorstellen. Let’s go!“

Aber wie wäre es, wenn ich zwischenzeitlich den Punk für mich entdeckt hätte? Oder Elektro? Dürfte ein drittes Donato-Album auf minimalen Elektrobeats basieren? Auf Experimenten, die im Grunde nichts mehr mit den ersten beiden LPs zu tun haben? Dürfte ich Silbermond featuren? Würdet ihr mir das abkaufen? Wahrscheinlich nicht. Ich wär’ nicht real, würde es heißen, auf einmal macht der ganz komisches Zeuch. Und was mache ich, wenn ich trotzdem Bock auf Elektro (oder ein Silbermond-Feature) habe? Oder wenn ich – ganz verrückt – auf einmal lebensbejahende Partytexte schreiben will? Shit, kann ich nicht machen. Ich muss Erwartungen entsprechen. Meinem Ruf gerecht werden. Mir fliegt mein eigenes Image, das ich mir automatisch und ohne Vorsatz aufgebaut habe, um die Ohren. Keine Experimente erlaubt, nix mit ‘expect the unexpected’. Kann es vielleicht sein, dass ich mich doch nicht weiterentwickeln soll? Oder nur, dass sich die Marke „Donato“ nicht weiterentwickeln darf? Welche Erwartungen werden auf mich projiziert?

Auf all diese Fragen habe ich keine allgemeingültigen Antworten. Genauso wenig weiß ich, ob es sinnvoll ist, ein Kapitel dermaßen endgültig abzuschließen, indem man seine „Marke“ beerdigt, um das Hamsterrad im Knast Musikzirkus zu verlassen. Die meisten halten sich erfahrungsgemäß eh nicht dran (wozu ich Curse spontan allerdings nicht zählen würde). Grundsätzlich kann ich diesen Schritt aber wahnsinnig gut verstehen, was auch immer konkret der Anlass dafür ist.

Was ich eigentlich nur mitteilen wollte: Curse hat fünf Alben veröffentlicht, die mich in vielen guten und weniger guten Phasen begleitet haben. Dafür bedanke ich mich bei ihm. Alles Gute – in Freiheit.

Bestes,
Donato

Besser nichts als gar nichts

Tag,

bin letztens aufgetreten. In sonnem Club in Bochum. Vor gefühlt 25 Leuten, in echt waren es wahrscheinlich nur 15. Hat mich nicht so wahnsinnig geärgert, weil Bochum umme Ecke (und nebenbei gesprochen recht schön) ist. Für die Münchner Jungs von Creme Fresh, meine Labelmates, dürfte der Abend weniger geil gewesen sein, weil Tourstopps mit so wenig Leuten sicher nicht so der Brenner sind. Ärgerlich, aber that’s life.

Und sonst so? Naja, ich darf auf eine EP von DJ s.R. (KLICK!) aufmerksam machen, die exklusiv von den wohlgeschätzten Kollegen von allesreal.de zum freien Download angeboten wird. Mit dabei sind Inflabluntahz, Inferno79, Montana Max, GoryGore und einige andere mehr. Ich übrigens auch, auf einem Remix zu “Wie es ist”, der Zaehre featured. Von letzterem wüsste ich gerne, was er derzeit so treibt. Hm.

Und darüber hinaus? Nickes. Nada. Niente. Leere. Stille. Erdbeben. Erdbeeren. Nichts. Aber immerhin besser als gar nichts. Mein Mikrofon fristet nach wie vor ein Schattendasein in irgendnem Umzugskarton, weil ich damit derzeit nichts anzustellen weiß. Dabei habe ich doch noch einen Traum…

Beste Grüße,
Donato

Wo auch immer

Hallo Leute,

nehmen wir für einen kurzen Moment an, der Weg sei tatsächlich das Ziel. Im Umkehrschluss müsste das ja bedeuten, wir wären alle längst “angekommen” – wo auch immer. Und doch bemerke ich Eigenarten an mir, die dagegen sprechen. Viele davon gebe ich bereitwillig zu. Ungeduldig bin ich, okay. Schnell reizbar, ja, auch in diesem Punkt bekenne ich mich schuldig. Unzufriedenheit als chronisches Lebensmotto, meinetwegen auch das. Aber spätestens jetzt werdet ihr mir Recht geben: Nach einem “Angekommenen” klingt das nicht. Vielleicht ist ja nur das Navi im Eimer.

Überhaupt klingt “angekommen sein” irgendwie nach Altersheim, oder, etwas weniger ironisch, wie ein spiritueller Müßiggang zur inneren Mitte. Ich kenne dieses Gefühl des “Angekommenseins” nicht. Wahrscheinlich ist man gerade dann “angekommen”, wenn man am wenigsten darüber nachdenkt, ob man es ist. Während ich etwa Musik mache, könnte meine Umwelt mir ganz easy ein X für ein U vormachen oder meinetwegen auch explodieren – ich würde es nur am Rande mitbekommen. Möglich, dass ich so reizbar, so unzufrieden, so ungeduldig bin, weil ich seit längerem – ach, ist das lang her – nicht mehr geschrieben habe. Worüber auch immer.

Wo wir gerade beim Heimkommen und Musik und so sind: Die neue “Wir sind Helden”-Platte schimpft sich “Bring mich nach Hause” und hat einen Titeltrack, der einem die Schuhe auszieht (aber hoffentlich nur Zuhause – bei dem Wetter will man nicht in Socken auffe Straße rumrennen). Das werden viele von euch nicht verstehen, aber ich find’ die Band echt groß. Ich zitiere mal kurz aus dem Song, weil’s so erschreckend gut passt, zu dieser, naja, erschöpfenden und nicht zu bändigenden Rastlosigkeit, in der man sich so schön verrennen kann:

“Ich will nach Hause,
ich bin schon zu weit hier draußen.
Komm und trag mich, schlag’ mich nieder,
ich bin nicht still genug.”

Apropos: Viele einstige Kommilitionen (mich übrigens eingeschlossen) ziehen gerade um, etwa weil ihr Studium zu Ende geht und die weite Arbeitswelt ruft. In Einzelfällen geht’s auch weit entfernt auf andere Kontinente. Das wär’ echt nichts für mich, glaube ich. Umso mehr wünsche ich den einstigen Wegbegleitern an dieser Stelle alles Gute in ihrem alten oder neuen Zuhause – wo auch immer.

Bis demnächst,
Donato

Die Ruhe vor der Ruhe

Hallo Leute,

eine Runde Mitleid, bitte. Geht auf mich. Ich bin momentan so müde, eigentlich müsste ich mich wundern, dass ich diesen Blog-Eintrag auf die Kette, äh, in die Tastatur gehämmert kriege. Aber muss ja. Schließlich habe ich mich lange nicht mehr bei euch gemeldet. Woran das liegt? Nun, wirklich Berichtenswertes passiert in meinem (musikalischen) Leben momentan nicht. Abgesehen vielleicht von einem Release, das am Freitag, 16. Juli, rauskam, auf dem ich vertreten bin: Ein gewisser Faz (nicht verwandt oder verschwägert mit der gleichnamigen Tageszeitung) veröffentlichte sein Album “Für alle Zeit”, auf dem ihr “Puls deiner Stadt” mit mir und Franksta’ findet. Manche kennen den Song vielleicht bereits als Remix vom Inflabluntahz-Album.

Eine Kaufempfehlung kann ich derweil nicht wirklich aussprechen. Grund: Man hielt es nicht für nötig, mich a) zu informieren, dass das Album + der Song erscheint. Sprich, ich bin zufällig drauf gestoßen. Und b) hielt es niemand für nötig, mir das Album zuzuschicken. Beides zeigt mir: Features machen lohnt sich nicht. No disrespect, aber das geht einfach nicht. Es kommt aber leider immer wieder vor. Insofern hält sich mein Bedürfnis nach Kollaborationen momentan in Grenzen. Vielleicht versteht das wer. Wenn nicht, auch nicht so schlimm.

Kürzlich waren ich und Inferno in Wetter / Ruhr. War ein geiler Tag: Deutschland hatte Argentinien wenige Stunden zuvor mit 4:0 aus dem Stadion gefegt, Creutzfeld & Jakob und Terence Chill haben vor uns die Hütte abgerissen, und dann haben wir ein paar Menschen glücklich machen dürfen. War nice. Aber ehrlichgesagt: So richtig Bock macht es nicht mehr, die alten Gassenhauer aus MLS-Tagen rauszufeuern. Zeit also für neue Taten.

Aber erstmal den ganzen Rest erledigen. Studium irgendwie fertig bringen. Viel arbeiten. Und dann Ruhe. Viel Ruhe. Noch mehr Ruhe. Die Ruhe vor der Ruhe quasi. Ein paar Arztbesuche wären auch nicht verkehrt. Und dann, ja dann greife ich wieder an. Vielleicht.

In diesem Sinne,
Donato

Das Phänomen Lena Meyer-Landrut

Es ist nicht einfach, sie nicht zu lieben. Wobei „lieben“ ein sehr großes Wort ist für eine Person, die man nur aus dem Fernsehen kennt. Aus dem Kollektivgedächtnis der Deutschen ist Lena Meyer-Landrut jedenfalls nicht mehr wegzudenken. Nur bei Microsoft scheint man geschlafen zu haben: Mein Wörterbuch in Word würde aus dem zweiten Teil ihres Nachnamens gerne „Landrat“ machen. Typisch deutsch.

Individualität erwünscht

Die Unwissenheit meines Programms liegt ausnahmsweise nicht an bequemen Entwicklern aus Redmond, sondern an der Schnelllebigkeit des Showgeschäfts. Noch Ende Januar kannte niemand dieses damals 18-jährige Mädchen, das sich gleich mit ihrem ersten Auftritt bei „Unser Star für Oslo“, der Castingshow von Stefan Raab respektive Pro7 und ARD, in die Seelen der Zuschauer sang. Die Frage, die ich mir seither stelle ist: Warum scheinen die „richtigen“ Talente zu Raab zu gehen und nicht zu Bohlen, dem selbsternannten Onkel? Die Antwort ist schnell gefunden: Bei Raabs Sendungen geht es um Musik, Individualität ist zudem ausdrücklich gewünscht – weg vom Gleichgeschalteten der Wettbewerber, den Fokus weg von Äußerlichkeiten.

Der Zufall wollte es so

Auffällig: Während die vergangene DSDS-Staffel und ihre Berichterstattung ständig um die Skandälchen seiner Protagonisten kreiste wie eine Fliegenarmada um Analextrakte, verschwanden die zwischenzeitlich „aufgedeckten“ Ausflüge von Lena-Meyer Landrut in die Unterschichtenunterhaltung ungewöhnlich schnell aus den Medien – nein, aus diesem einen Medium –, und auch aus dem Bewusstsein der Deutschen. Im Vordergrund stand immer die Musik und sie als die „andere“ Sängerin, die vor allem für die Medien längst nicht so einfach handhabbar ist wie ihre glattgebügelten „Kollegen“, die dem RTL-Format zwar entsprangen, aber niemals entwachsen konnten. Meyer-Landrut, die bei DSDS wahrscheinlich nicht mal die Mottoshows erreicht hätte und auch eher zufällig bei „USFO“ landete, hat ihren eigenen Kopf. Und scheint vor allem auf der Bühne in eine eigene Welt abzudriften.

Freiheit ist (k)ein Ort

Der Grund, warum Millionen Deutsche derart euphorisiert oder verzaubert sind beim Anblick der 19-Jährigen? Vielleicht, weil sie sich selbst in diese Traumwelt sehnen, fernab von jeglicher Normalität und vor allem der Angepasstheit, die uns anerzogen worden ist. Lena Meyer-Landrut scheint den riesigen und kaum greifbaren Begriff „Freiheit“ tatsächlich zu leben. Zumindest auf der Bühne, dem einzigen Ort, an dem wir sie kennen und kennen dürfen.

Geduld

Wenn man so durch Musik-Foren zieht, liest man ständig Sätze wie: “Wann kommt denn endlich das neue Album von X?” Oder, in Jahreswechsel-Threads gern gebracht: “Ich freue mich auf ein neues Album von Y!” Merkwürdig, dabei hat Y im (tatsächlich oft existierenden) Zweifelsfall erst vor anderthalb Monaten seine brandneue LP unters downloadende Volk gebracht. Musik als Minutengut, als Wegwerfprodukt. Soweit nichts neues, eigentlich.

Die FF-Taste klemmt

Auch keine sonderlich neue Erkenntnis, dass die Welt (gefühlt) immer schnelllebiger wird. Das merke ich nicht zuletzt auch an mir selbst: Dass ich vor fünf Monaten mein aktuelles Album rausgebracht habe, scheint mir mittlerweile eine halbe Ewigkeit her zu sein. Die Zeit zum letzten Track noch viel länger. Der Stift spuckt nicht mehr. Er zittert nur noch. Genau wie ich.

Aus der Balance

Ich bin auf einem Konzert. Noch vor dem Auftritt des Support-Acts hoffe ich auf ein möglichst kurzes Set des Headliners, obwohl ich seinetwegen die 30 Euro für die Eintrittskarte gelatzt habe. Während des Gigs schaue ich ständig auf die Uhr – lange kann es ja nicht mehr dauern, bis ich hier rauskomme. Selbiges Phänomen stelle ich immer öfter auch im Kino oder beim Schauen einer Blu-ray fest. Nichts geht schnell genug – manches wiederum ist zu schnell vorbei. Uns ist die goldene Mitte, der eigentliche Ursprungszustand, abhanden gekommen.

Mythos Vorfreude

Wen hat er noch nicht genervt, dieser selten dämliche Ausspruch “Vorfreude ist die schönste Freude”? Aus meiner Sicht ein zwiespältiger, schon in der internetfreien Kindheit nerviger Satz. Das gilt heute umso mehr, bedenkt man, dass die Vorfreude immer mehr zur unabdingbaren Qual, dem zwingenden Übel gerät im Zeitalter des Alles-sofort-haben-könnens. Wir sind ja online. Wir haben’s ja. Alles. Und wenn es sein muss, sofort, je nach Geschwindigkeit der DSL-Leitung jedenfalls. Paradox, dass selbst der Download nicht schnell genug geht, wo wir doch früher Stunden brauchten, um in die Läden zu fahren, den Kram zu suchen, zu bezahlen und die manchmal gar nicht so kurze Heimreise anzutreten.

Der Zwang nach Neuem

Unsere Ungeduld haben wir uns mehr oder minder mühsam antrainieren müssen. Nachrichten erreichen uns immer schneller, sei es durch Twitter, Facebook, Bild.de-Laufschrift oder was auch immer. Wir ballern uns freiwillig derart zu, dass jede ruhige Minute Unsicherheit schürt. Der Zwang nach Information. Wenn wir heute eine Mail oder eine SMS schicken (wobei selbst letzteres nicht mehr schnell genug geht, weil das Eintippen je nach Mobiltelefon zu lange dauert), wollen wir binnen Minuten Antworten haben. Wir sind gar nicht mehr in der Lage, Verzögerungen – aus welchen Gründen sie auch immer zustande gekommen sein mögen – zu akzeptieren. Wir können nicht mehr. Unsere Geduld ist am Ende.

Donato veröffentlicht Brainstorming 2.0

Lange Zeit war es still um künftige Projekte des Dortmunder Vorzeigespuckers, jetzt kommt die Katze aus dem Sack: Donato arbeitet derzeit fieberhaft an “Brainstorming 2.0″, dem Nachfolger der mittlerweile fünf Jahre alten und ultrabeliebten Feature-EP “Brainstorming” (HIER DOWNLOADEN) macht derzeit gar nichts – im musikalischen Kontext. Nach dem großen Erfolg mit seinem zweiten Album “Angst” wird Donato sein neues Projekt erstmals über ein Majorlabel veröffentlichen können. Da die Verträge noch nicht unterschrieben sind, kann die neue Labelheimat noch nicht offiziell bekannt gegeben werden.

Anders sieht das bei den Gästen aus, die weitgehend feststehen: Über seinen alten Brother from another Mother Screwaholic stellte Donato den Kontakt zu Bushido her, der gleich auf zwei Songs vertreten sein wird. Zu den weiteren Gästen zählen neben Bushido unter anderem Massiv, Fler, Curse, Kool Savas, Azad, Silbermond, Too Strong, Alicia Keys, Joy Denalane, Der Wolf, Tic Tac Toe, Max Herre sowie Marianne Rosenberg.

Brainstorming 2.0 wird in einer Limited Edition erscheinen, die eine Bonus-CD mit dem ersten Teil der Serie enthalten wird. In einer dritten Edition sind drei CDs enthalten: Neben den beiden vorhergenannten wird auch eine Remix-CD veröffentlicht, die komplett von der französischen Gothic-Band Dark Sankt-Nimmerleins-Day eingespielt worden ist.

Ein Releasedate steht noch nicht fest, Donato peilt jedoch den 1. April 2011 an.

Lewis Holtby im Portrait

Kugelsicher

Als sich nach seinem gelungenen Einstand beim VfL Bochum 1848 alles auf ihn stürzte, sprach Lewis Holtby Klartext. Er möchte nicht nur über sich reden, schließlich spiele er kein Tennis. Auch nicht für dieses Portrait. Vielmehr nimmt er es mit drei Kugeln auf – und fordert einen sechsfachen Europameister heraus, der für den erfolgreichsten Sportverein Bochums reihenweise Titel einfährt.

Ein gutes Dutzend Schaulustiger hat sich in Bochum-Weitmar eingefunden, um den Senkrechtstarter in Augenschein zu nehmen. Lewis Holtby trifft gerade an der vielleicht bedeutsamsten Stätte des deutschen Billards ein, denn der DBC gilt als der FC Bayern des Karambolsports. Vielmehr noch: Die Weitmarer standen in der Vorsaison im Finale der Champions League. 20 deutsche Meisterschaften hat der Verein gewonnen, die Einzeltitel der Spieler kann längst niemand mehr zählen. Eines der Aushängeschilder ist Fabian Blondeel. Der 44-Jährige bringt es unter anderem auf sechs EM-Titel und zwei WM-Triumphe im Mannschaftswettbewerb. Für Holtby eine willkommene Herausforderung.

„Mit Christoph Moritz habe ich mir beim Poolbillard heiße Duelle geliefert“, plaudert Lewis schnell aus dem Nähkästchen. „Wir hatten auf Schalke einen Billardtisch, den wir zwischen den Einheiten gerne aufgesucht haben.“ Glauben wir ihm sofort – auch wenn heute Karambol, eine Billard-Variante mit drei Kugeln und ohne Löcher im Tisch, auf dem Programm steht. Nur korrigierend greift der sechsfache Europameister Fabian Blondeel ein, der dem 25 Jahre jüngeren Fußballer gerade das fachgerechte Kreiden der Queuespitze zeigt. Dann geht es weiter: Gezeigt bekommt Lewis jetzt den Nachläufer, „ein Stoß, bei dem der Spielball dem Zielball nach der Karambolage noch eine gewisse Distanz folgt“, wie es im Lexikon heißt. Der 19-Jährige braucht zunächst etwas, bis die Kugeln wie an der Schnur gezogen ihre erhoffte Fährte einschlagen. „Schlecht gekreidet oder mangelndes Talent?“, will der Mittelfeldspieler wissen, doch Blondeel beschwichtigt: „Nein, Talent ist vorhanden – kein Zweifel!“

Von Null auf Hundert

Fußballfans würden das blind unterschreiben. In geradezu rasantem Tempo avancierte der gebürtige Erkelenzer vom verkannten Talent zum Hoffnungsträger eines ganzen Vereines. Ende 2007 feierte Holtby als 17-Jähriger bei Alemannia Aachen sein Debüt im bezahlten Fußball, nachdem er in der Jugend von Borussia Mönchengladbach noch durchs Raster fiel. Seiner Karriere sollte diese Abfuhr nicht schaden: Nur wenige Jahre danach buhlte ein gutes Dutzend ambitionierter Bundesliga-Vereine um die Dienste des kreativen Mittelfeldspielers, der die Alemannia mit acht Toren und zehn Vorlagen in der vergangenen Spielzeit auf den undankbaren vierten Platz führte. Zu wenig für Holtby, den es in die Beletage des deutschen Fußballs zog. Nach zähem Ringen bekam der FC Schalke 04 den Zuschlag.

„Unglaublich“, blickt Lewis auf die vergangenen zweieinhalb Jahre zurück, „bisher ist meine Karriere das Abenteuer schlechthin. Ich genieße jeden Tag, an dem ich das erleben darf.“ Auch auf internationaler Bühne durfte Holtby sich austoben, als er mit der deutschen U20 bei der Weltmeisterschaft in Ägypten 2009 erst im Viertelfinale nach Verlängerung an Brasilien scheiterte. Und das trotz des Führungstreffers von Holtby, der kurz vor dem Turnier als bester deutscher Nachwuchsspieler mit der Fritz-Walter-Medaille ausgezeichnet worden war. Damit befindet er sich in illustrer Gesellschaft, denn vor ihm durften sich unter anderem Toni Kroos, Benedikt Höwedes, Dennis Diekmeyer oder Marko Marin diese Auszeichnung umhängen lassen. „Auf der Internetseite des DFB habe ich oft sehen müssen, dass ich nicht nominiert worden bin. Das hat mich noch mehr angespornt“, so Lewis, der für Deutschland erstmals in der U18 auflief. „Die Medaille zeigt mir, dass sich die harte Arbeit gelohnt hat. Trotzdem“, und dieser Nachsatz ist charakteristisch für den bodenständigen Holtby, „wäre ich ohne meine Mannschaftskollegen nicht da, wo ich heute bin.“

Viel mehr als nur Glück

Gutes Stichwort. Nach wie vor lauscht Lewis gespannt den Ausführungen von Fabian Blondeel, dem sechsfachen Europameister. Als trickreicher Mittelfeldwuseler will Holtby natürlich auch am Billardtisch glänzen, deshalb soll Blondeel ihm etwas aus der Trickkiste beibringen. Der 44-jährige platziert ein Münzstück auf der Kante und stellt ein handelsübliches Wasserglas dahinter auf den Rahmen des Tisches. Durch einen gezielten Stoß soll die Kugel so an die Bande gespielt werden, dass die Münze von der Kante ins Glas hüpft. Lewis soll vorlegen, bleibt in seinen ersten beiden Versuchen jedoch glücklos. „Machen Sie das mal vor“, bittet der 19-Jährige den begeisterten VfL-Anhänger Blondeel, „vielleicht geht das ja gar nicht!“. Tatsächlich tritt der allseits gefürchtete Vorführeffekt ein, denn auch der Europameister müht sich vergeblich. Während manch anderer jetzt aufgegeben hätte, packt Holtby jetzt endgültig der Ehrgeiz. Er setzt zum neuerlichen Versuch an. Kugel und Ziel scharf anvisiert, das Queue mit voller Kraft nach vorne geschoben und – Volltreffer!

Mit seinem Wechsel zum VfL traf Holtby ebenfalls voll ins Schwarze. Im Wunderland wähnte sich der 19-Jährige nach seinem Debüt gegen Leverkusen, weil er endlich wieder über die volle Distanz gehen durfte und sich überhaupt sehr gut fühlt beim VfL. „Ich bin in einer guten Phase hergekommen. Es läuft sehr ordentlich bei uns“, weiß Holtby. „Das hat meine Integration zusätzlich vereinfacht.“ Der Wechsel des ballsicheren – heute besser kugelsicheren – Jungtalentes löste mancherorts Erstaunen aus. Ob der Transfer nicht ein Rückschritt sei? Lewis entkräftet vehement: „Nein! Ich habe nicht einen Schritt zurück, sondern drei nach vorn gemacht.“ Mit Heiko Herrlich trifft Lewis Holtby beim VfL indes auf einen seiner größten Förderer aus DFB-Zeiten. „Der Trainer hat mir bei der Junioren-Nationalmannschaft immer wieder neues Selbstvertrauen gegeben und großen Anteil an meinem Aufschwung“, weiß Holtby, der beim Aufzählen der Vorzüge unseres Trainers geradezu ins Schwärmen gerät. „Er hat die richtige Mischung zwischen Ernsthaftigkeit und Spaß, sein taktisches Repertoire ist riesengroß. Ich habe gehörigen Respekt vor ihm.“

Familie als Gegengewicht

Den hat er natürlich auch vor seinen Eltern. Unter der Leitung von Mutter und Vater jagte Lewis bei seinem ersten Verein Grün-Weiß Sparta Gerderath dem Leder hinterher. Später nahmen sie Fahrten von mehreren hundert Kilometern in Kauf, um ihren Sprössling zum Training oder zu den Spielen zu begleiten. „Meinen Eltern bin ich unendlich dankbar. Ohne sie hätte ich es nie geschafft“, schickt der sympathische Rheinländer ein großes Dankeschön nach Gerderath. „Sie, meine Freunde, meine Freundin – alle helfen mir, das Gleichgewicht zwischen Fußball und Realität zu halten.“

Auch beim Billard will der Gleichgewichtssinn geschult sein. Mit den Knien hockt Lewis auf der Bande und versucht, sich mit steil angewinkeltem Queue aus der spielerischen Umklammerung zu befreien. Für den Youngster ausnahmsweise eine kaum zu lösende Aufgabe. Wenige Millimeter reichen, um den Stoß hoffnungslos zu versemmeln. Am Ende hat es nicht ganz geklappt, insgesamt aber hat Lewis sich hervorragend verkauft. Das bescheinigen ihm auch seine Trainer, zu denen sich neben Fabian Blondeel mit Thomas Nockemann zwischenzeitlich ein weiterer Europameister gesellt hat. Christoph Moritz sollte sich schon mal warm anziehen.

Erschienen in “Mein VfL”, Ausgabe 13, Saison 2009/10.

Donato & Inferno79 live im Bahnhof Langendreer

Am Freitag, 26. März, sind Donato und Inferno79 (oder Inferno.79, je nach dem, auf welche Schreibweise er sich jetzt mit sich selbst geeinigt hat) live zu sehen. Endlich mal wieder. Wo? Im Bahnhof Langendreer, Bochum. Und zwar im Vorprogramm von Havoc (Mobb Deep). Freude groß. Wir werden an die zehn Songs spielen, darunter auch drei aus meinem aktuellen Album “Angst”. Ansonsten natürlich auch Stuff aus M-L-S und anderen Exklushit, der sich so angesammelt hat. Also: Be there! Alle weiteren Infos rechts im Flyer.