Wenn man so durch Musik-Foren zieht, liest man ständig Sätze wie: “Wann kommt denn endlich das neue Album von X?” Oder, in Jahreswechsel-Threads gern gebracht: “Ich freue mich auf ein neues Album von Y!” Merkwürdig, dabei hat Y im (tatsächlich oft existierenden) Zweifelsfall erst vor anderthalb Monaten seine brandneue LP unters downloadende Volk gebracht. Musik als Minutengut, als Wegwerfprodukt. Soweit nichts neues, eigentlich.
Die FF-Taste klemmt
Auch keine sonderlich neue Erkenntnis, dass die Welt (gefühlt) immer schnelllebiger wird. Das merke ich nicht zuletzt auch an mir selbst: Dass ich vor fünf Monaten mein aktuelles Album rausgebracht habe, scheint mir mittlerweile eine halbe Ewigkeit her zu sein. Die Zeit zum letzten Track noch viel länger. Der Stift spuckt nicht mehr. Er zittert nur noch. Genau wie ich.
Aus der Balance
Ich bin auf einem Konzert. Noch vor dem Auftritt des Support-Acts hoffe ich auf ein möglichst kurzes Set des Headliners, obwohl ich seinetwegen die 30 Euro für die Eintrittskarte gelatzt habe. Während des Gigs schaue ich ständig auf die Uhr – lange kann es ja nicht mehr dauern, bis ich hier rauskomme. Selbiges Phänomen stelle ich immer öfter auch im Kino oder beim Schauen einer Blu-ray fest. Nichts geht schnell genug – manches wiederum ist zu schnell vorbei. Uns ist die goldene Mitte, der eigentliche Ursprungszustand, abhanden gekommen.
Mythos Vorfreude
Wen hat er noch nicht genervt, dieser selten dämliche Ausspruch “Vorfreude ist die schönste Freude”? Aus meiner Sicht ein zwiespältiger, schon in der internetfreien Kindheit nerviger Satz. Das gilt heute umso mehr, bedenkt man, dass die Vorfreude immer mehr zur unabdingbaren Qual, dem zwingenden Übel gerät im Zeitalter des Alles-sofort-haben-könnens. Wir sind ja online. Wir haben’s ja. Alles. Und wenn es sein muss, sofort, je nach Geschwindigkeit der DSL-Leitung jedenfalls. Paradox, dass selbst der Download nicht schnell genug geht, wo wir doch früher Stunden brauchten, um in die Läden zu fahren, den Kram zu suchen, zu bezahlen und die manchmal gar nicht so kurze Heimreise anzutreten.
Der Zwang nach Neuem
Unsere Ungeduld haben wir uns mehr oder minder mühsam antrainieren müssen. Nachrichten erreichen uns immer schneller, sei es durch Twitter, Facebook, Bild.de-Laufschrift oder was auch immer. Wir ballern uns freiwillig derart zu, dass jede ruhige Minute Unsicherheit schürt. Der Zwang nach Information. Wenn wir heute eine Mail oder eine SMS schicken (wobei selbst letzteres nicht mehr schnell genug geht, weil das Eintippen je nach Mobiltelefon zu lange dauert), wollen wir binnen Minuten Antworten haben. Wir sind gar nicht mehr in der Lage, Verzögerungen – aus welchen Gründen sie auch immer zustande gekommen sein mögen – zu akzeptieren. Wir können nicht mehr. Unsere Geduld ist am Ende.