Hallo Leute,
nehmen wir für einen kurzen Moment an, der Weg sei tatsächlich das Ziel. Im Umkehrschluss müsste das ja bedeuten, wir wären alle längst “angekommen” – wo auch immer. Und doch bemerke ich Eigenarten an mir, die dagegen sprechen. Viele davon gebe ich bereitwillig zu. Ungeduldig bin ich, okay. Schnell reizbar, ja, auch in diesem Punkt bekenne ich mich schuldig. Unzufriedenheit als chronisches Lebensmotto, meinetwegen auch das. Aber spätestens jetzt werdet ihr mir Recht geben: Nach einem “Angekommenen” klingt das nicht. Vielleicht ist ja nur das Navi im Eimer.
Überhaupt klingt “angekommen sein” irgendwie nach Altersheim, oder, etwas weniger ironisch, wie ein spiritueller Müßiggang zur inneren Mitte. Ich kenne dieses Gefühl des “Angekommenseins” nicht. Wahrscheinlich ist man gerade dann “angekommen”, wenn man am wenigsten darüber nachdenkt, ob man es ist. Während ich etwa Musik mache, könnte meine Umwelt mir ganz easy ein X für ein U vormachen oder meinetwegen auch explodieren – ich würde es nur am Rande mitbekommen. Möglich, dass ich so reizbar, so unzufrieden, so ungeduldig bin, weil ich seit längerem – ach, ist das lang her – nicht mehr geschrieben habe. Worüber auch immer.
Wo wir gerade beim Heimkommen und Musik und so sind: Die neue “Wir sind Helden”-Platte schimpft sich “Bring mich nach Hause” und hat einen Titeltrack, der einem die Schuhe auszieht (aber hoffentlich nur Zuhause – bei dem Wetter will man nicht in Socken auffe Straße rumrennen). Das werden viele von euch nicht verstehen, aber ich find’ die Band echt groß. Ich zitiere mal kurz aus dem Song, weil’s so erschreckend gut passt, zu dieser, naja, erschöpfenden und nicht zu bändigenden Rastlosigkeit, in der man sich so schön verrennen kann:
“Ich will nach Hause,
ich bin schon zu weit hier draußen.
Komm und trag mich, schlag’ mich nieder,
ich bin nicht still genug.”
Apropos: Viele einstige Kommilitionen (mich übrigens eingeschlossen) ziehen gerade um, etwa weil ihr Studium zu Ende geht und die weite Arbeitswelt ruft. In Einzelfällen geht’s auch weit entfernt auf andere Kontinente. Das wär’ echt nichts für mich, glaube ich. Umso mehr wünsche ich den einstigen Wegbegleitern an dieser Stelle alles Gute in ihrem alten oder neuen Zuhause – wo auch immer.
Bis demnächst,
Donato
